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Schweiz ist zu nachlässig in Sachen Tabakwerbung (BILD)

via in Inland am 7. August 2014

Lausanne (ots) –

Die Schweiz hat grossen Nachholbedarf: In Sachen Tabakwerbung
hinkt sie weit hinter den meisten europäischen Ländern nach. Auch der
Entwurf des neuen Tabakproduktegesetzes lässt der Tabakindustrie noch
zu viele Möglichkeiten, den Konsum anzukurbeln.

Tabak ist nicht ein Produkt wie jedes andere: Nikotin ist nach
Heroin der am zweitschnellsten abhängig machende Stoff. Jedes Jahr
sterben 9000 Menschen in der Schweiz auf Grund des Rauchens. Zudem
entstehen wirtschaftliche und soziale Schäden von 10 Milliarden
Franken pro Jahr. Es ist deshalb im Interesse der Schweiz, die
Werbung und Promotion für ein solches Produkt zu unterbinden. Die
Wirkung der Werbung besonders auf Jugendliche ist heute nicht mehr
bestritten. 48 % der heutigen Raucherinnen und Raucher haben als
Minderjährige mit dem täglichen Rauchen begonnen. Es genügt auch
nicht, nur direkt auf Jugendliche zielende Werbung zu unterbinden,
denn Jugendliche orientieren sich ja gerade an Bildern der
Erwachsenenwelt. Sucht Schweiz fordert deshalb ein umfassendes
Werbeverbot für Tabakprodukte.

Das neue Bundesgesetz über Tabakprodukte ist eine historische
Chance, um Werbung und Sponsoring zu verbieten. Sucht Schweiz
bedauert, dass der Gesetzesentwurf grosse Lücken offen lässt und
damit der Tabakindustrie immer noch zu viele Werbemöglichkeiten gibt.
Die Werbegelder würden so nur an andere Orte verschoben. Das
Sponsoring von nationalen Musik-Festivals oder Sportanlässen bleibt
weiterhin möglich, auch die Werbung in Verkaufsgeschäften.

In Sachen Tabakwerbung zählt die Schweiz zum Schlusslicht Europas
(1). Neben Andorra und Liechtenstein ist die Schweiz auch das einzige
Land des Kontinents, das die WHO-Tabakkonvention noch nicht
ratifiziert hat. Diese Konvention, Referenz in Sachen
Tabakprävention, fordert ein umfassendes Verbot aller Formen von
Werbung und Sponsoring. So schränken die meisten europäischen Länder
heute das Tabaksponsoring ein. Einige Staaten verbieten die Werbung
am Verkaufsort gänzlich.

Der grosse Rückstand unseres Landes ergibt sich unter anderem aus
dem Einfluss von internationalen Sitzen der Tabakindustrie in der
Schweiz auf die Wirtschaftsverbände und den Bund. Nur so wäre es auch
zu erklären, dass der Bundesrat im Gesetzesentwurf noch versucht
“zwischen öffentlicher Gesundheit und der Wirtschaftsfreiheit
abzuwägen”. Doch die Wirtschaftsfreiheit in einem Bereich, der 9000
Tote und 10 Milliarden Franken an Schäden für Wirtschaft und
Bevölkerung verursacht, hat schlicht keine Legitimität.

Tabakwerbung: Ausgaben und Wirkung

Der Entwurf zum neuen Bundesgesetz über Tabakprodukte sieht vor
die Tabakwerbung künftig nur auf Plakaten, in Kinos, in Printmedien
sowie auf elektronischen Trägern zu verbieten. Diese Einschränkungen
führen indes kaum zu einer Abnahme, sondern zu einer Verschiebung der
Marketingaktivitäten, wie die bisherige Praxis gezeigt hat: Nach dem
Verbot der Plakatwerbung in den meisten Kantonen hat sich die Werbung
der Tabakkonzerne an die Musikfestivals und die Tabak-Verkaufsorte
verlagert: Die Ausgaben für Plakatwerbung sanken seit dem Jahr 2000
von 44 auf 6 Millionen Franken (2), die Präsenz an Festivals, in
Nachtlokalen und an Verkaufsstellen wurde gleichzeitig auf ausgebaut.

Doch das Sponsoring von Anlässen mit nationaler Bedeutung soll
nach dem Gesetzesentwurf weiterhin erlaubt sein, selbst wenn
international bekannte Künstlerinnen und Künstler teilnehmen.
Tabakkonzerne treten heute an Musik-Festivals mit Ständen und
Plattformen auf, sie organisieren attraktive Spiele und Wettbewerbe,
die hauptsächlich auf Jugendliche und junge Erwachsene zielen(3), wie
das Observatorium der Marketingstrategien für Tabakprodukte von
CIPRET-Waadt nachweist. Denn zwei Drittel der heutigen Rauchenden
haben bis und mit dem 19. Altersjahr mit dem täglichen Rauchen
begonnen (4). Erwachsene werden die Tabakkonzerne weit weniger zum
Rauchen bewegen können. Nach der CIPRET-Untersuchung könnten aber die
meisten Festivals ohne Tabakgelder auskommen.

Der Entwurf des Bundes würde Werbung auch an den Verkaufsstellen
weiterhin ermöglichen. Wie das Observatorium von CIPRET in einer
weiteren Studie zeigte, wird heute an Kiosken und Tankstellenshops
massiv für Zigaretten geworben(5). Die Tabakindustrie investierte im
Jahr 2007 ungefähr die Hälfte der Marketinggelder an den
Verkaufsstellen(6). Nach einer Studie von Lisa Hendriksen und
KollegInnen von der Universität Stanford ist denn auch die Chance
viel höher, dass Jugendliche anfangen zu rauchen, die solcher Werbung
ausgesetzt sind(7).

(1)http://www.bag.admin.ch/themen/drogen/00041/00612/00765/11983/i
ndex.html?lang=de

(2)http://www.bag.admin.ch/themen/drogen/00041/00612/00765/index.h
tml?lang=de

(3)http://www.cipretvaud.ch/parrainage-publicite-et-promotion-dans
-les-evenements-culturels-et-sportifs/

(4)http://www.suchtmonitoring.ch/docs/library/gmel_iyxkywsv590y.pdf

(5)http://www.cipretvaud.ch/publicite-et-promotion-des-produits-du
-tabac-dans-les-points-de-vente/

(6) www.bag.admin.ch/evaluation/01759/07612/07620/index.html?lang=
fr&download=NHzLpZig7t,lnp6I0NTU042l2Z6ln1ae2IZn4Z2qZpnO2Yuq2Z6gpJCJd
H5,gWym162dpYbUzd,Gpd6emK2Oz9aGodetmqaN19XI2IdvoaCUZ,s-

(7)http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3046636/

Umfassende Informationen zu Sucht Schweiz finden Sie auf unserer
Website http://www.suchtschweiz.ch

Die vorliegende Medienmitteilung finden Sie hier:

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Kontakt:
Markus Meury
mmeury@suchtschweiz.ch
Tel.: 021 321 29 63

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